
Der Nostalgie-Trend 2016
- Angela

- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Heute las ich, dass "gerade Millennials, die damals in ihren späten Teenagerjahren oder ihren Zwanzigern waren, mit dieser Zeit ein Gefühl von Unbeschwertheit und Spontanität verbinden". Irgendwie witzig, dass die sog. etablierten Medien solche Themen aufgreifen und für alle die wohl weniger online sind erklären. Mir sind die unzähligen Bildbeiträge natürlich in den letzten Wochen nicht entgangen und lassen mich gerade bezogenen auf die damaligen Looks schmunzeln.
Als ich beim Scrollen den Artikel sah, schossen mir direkt mehrere Gedanken durch den Kopf: Millennial, 1981 bis 1996 - jep, 1992 mittendrin. Kind der Neunziger, ein Leben zwischen analog und digital. Gefühlt alles miterlebt was es gab und dennoch noch so viel Leben was noch kommt. Spontan bin ich immer noch. Unbeschwertheit gab es damals schon, denke ich.
Bilder aus 2016 habe ich nicht auf dem Handy, aber dafür gibt's ja Facebook. Mich mit 23/24 Jahren zusehen, ist ein wenig befremdlich. Beruflich, privat und bei mir persönlich scheint sich so viel getan zu haben, da kommen mir 10 Jahre vor wie eine Ewigkeit. Die Musik von früher (und noch weiter davor) höre ich aber immer noch gern.
In der beruflichen Rückschau weiß ich direkt wo der Schmerz zu finden ist. So mahnend präsent in einem Kästchen, damit ich nie vergesse, was mein "weg von" und "hin zu" ist.
2016 war ich in einer nicht so optimalen Beziehung und wohnte allein in Dortmund. Ich war Vollzeit angestellt, unzufrieden und aus Bequemlichkeit nach einem Exkurs vom Inkasso wieder zu einem ehemaligen Arbeitgeber zurück. Es lagen einige Jahre dazwischen, das noch vorhandene Team war toll und die Insolvenzsachbearbeitung habe ich wirklich gern gemacht. Das was mich früher zum Kündigen bewegte, wird jetzt schon nicht so schlimm sein, nichts was ich mit meinem neuen Erfahrungsschatz nicht handeln könnte. Dachte ich.
Der Umgang mit schwierigen und stressigen Situationen ist eine Sache, aber sich quasi als Team zusammen gegen die Chefs und nicht miteinander als eine Einheit zu fühlen, war auf Dauer nichts für mich. Auch wenn ich nicht die volle Bandbreite an negativen Erfahrungen persönlich machen musste, habe ich sie über die Jahre immer wieder miterlebt. Die Gespräche untereinander, um wieder in die Spur zu kommen, blieben hängen und haben sich nicht geändert.
Der Tisch war stets voll. Für den Urlaub habe ich vor- und nachgearbeitet, keine wirkliche Erholung. Was positiv ist, die in Kanzleien aufgehangen Messlatte für viel Arbeit hat mich später manche Beschwerden von Kollegen müde weglachen lassen.
Wenn in Büros ständig das Personal kommt und geht, im Zweifel niemand gefunden oder erst gar nicht mehr gesucht wird, und das Team aus Pflichtgefühl und trotz fehlender Wertschätzung sein Bestes gibt, dann geht das auf Dauer einfach nicht gut. Die Art der Personalauswahl, allein schon wer überhaupt eingeladen wird und warum qualifizierte Personen nicht, muss wohl niemand verstehen können. Aus heutiger Sicht, kann ich allein den unternehmerischen Gedanken dahinter überhaupt nicht nachvollziehen. Personal aus dem Nichts führen muss man nicht können, auch sind nicht alle Menschen gleich, aber mit jahrzehnter langer Erfahrung könnte schon mehr drin sein. Ein stabiles, wertschätzendes Arbeitsklima, einfach mit Respekt für die MitarbeiterInnen - unabhängig von den Wochenstunden.
Nach 1,5 Jahren habe ich die Tür, mit einem Präsentkorb in der Hand, erneut und endgültig hinter mir zu gemacht.
In den Jahren danach habe ich endlich begriffen, dass es in meinem Leben um mich geht. Von allein wird es nicht gut, sinnvoll oder gar unbeschwert. Dafür musste ich in die Selbstverantwortung kommen, erwachsen werden, mein "hin zu" finden und jeden Tag dran bleiben.
Jetzt arbeite ich auch viel. Das gern und absolut in meinem Sinne - und selbstverständlich im Sinne meiner Kunden.







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